Page 60 - Ärzteblatt Thüringen, Juli/August 2026
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Koch und Pettenkofer hoch davon […]; ich wende mich nur
gegen die voreiligen Schlussfolgerun-
gen, welche viele Bakteriologen aus
Zwist um Cholera-Cocktail ihren bisherigen Untersuchungen zie-
*
hen“, betonte er seinerzeit.
Heiner Barz Damit spielte Pettenkofer auf die Hal-
tung der Kochianer an, eine ultimative
Seuchenbekämpfungsstrategie zu pro-
Robert Koch gilt als Ikone der Medizin- Orden samt einer 100.000-Mark-Prä- pagieren, die Grenzschließungen, Qua-
geschichte. Doch ist nicht immer alles mie. Pettenkofer, der sich bei Koch rantäne und Ausgangssperren beinhal-
Gold, was glänzt. Seine Kritiker meinen, freundlich erkundigte, inwieweit Koch tete. Im Gegensatz dazu sprach sich
der Nobelpreisträger wird überschätzt. aus Pettenkofers früheren Cholera-For- Pettenkofer entschieden gegen die
Nicht nur seine Erfolge, sondern auch schungen hätte Nutzen ziehen können, Einschränkung des öffentlichen Lebens
sein Verhalten waren demnach nicht erhielt eine forsche Antwort. aus: „Der freie Verkehr ist ein so
immer tadellos. Koch betonte, dass er sich nicht mit großes Gut, dass wir es nicht ent-
Am 29. April 1884 machte Robert Koch Theorien, sondern ausschließlich mit behren könnten, selbst um den Preis
(1843–1910) auf der Rückreise seiner Tatsachen befasse. Und zum Studium nicht, dass wir von Cholera und noch
Cholera-Expedition nach Ägypten und von Pettenkofers Publikationen hätte vielen anderen Krankheiten verschont
Indien auch in München bei Max von ihm schlichtweg die Zeit gefehlt. blieben.“
Der Bakteriologe Robert Koch (1843–1910) las gern. Max von Pettenkofer (1818–1901), erster deutscher
Jedoch nicht unbedingt die Publikationen von Max von Professor für Hygiene. © Imago Images/Heinz Gebhardt
Pettenkofer. © Picture Alliance/akg-images.
Pettenkofer (1818–1901) Halt. Letzte- Schwieriges Verhältnis Pettenkofer war überzeugt davon, dass
rer galt damals als weltweit führender für eine Infektionskrankheit drei Fakto-
Cholera-Experte und war zudem der Seither galt das Verhältnis der beiden ren ausschlaggebend seien. Und zwar
erste Inhaber eines Lehrstuhls für Hy- als zerrüttet, wobei Pettenkofer die das spezifische Bakterium, die Disposi-
giene. kochschen Entdeckungen durchaus zu tion des individuellen Menschen sowie
Einen Monat später wurde Kochs Ent- schätzen wusste, sich nur dagegen die lokalen Bedingungen wie Bodenbe-
deckung des Cholera-Erregers als nati- wehrte, als „Gegner der bakteriologi- schaffenheit oder bauliche Bedingun-
onaler Sieg über Frankreich überhöht, schen Forschung“ betrachtet zu wer- gen. Diese Auffassung ließ ihn jene
und er erhielt in Berlin den kaiserlichen den. „Ich denke im Gegentheil sehr Maßnahmen ablehnen, die allein auf
* Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um einen geringfügig geänderten Text aus der Pharmazeutischen Zeitung, 170 Jg., 27.3.2025, 13. Ausgabe.
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