Page 12 - Ärzteblatt Thüringen, Mai 2026
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S CH W E R PU NK T




          Update Riesenzellarteriitis –

          Was ist wichtig in der täglichen

          Praxis?



          Carolin Pflug, Gunter Wolf, Alexander Pfeil


          Einleitung                         Th17-Subtypen)  führt  zur  Freisetzung
                                             proinflammatorischer Zytokine wie In-
          Die  Riesenzellarteriitis  (RZA)  ist  eine   terleukin-6  (IL-6),  Interferon-γ  und   Dr. Carolin Pflug
          Vaskulitis der großen und mittelgroßen   Tumornekrosefaktor-α (TNF-α). Die da-
          Arterien,  die  bevorzugt  die  Aorta,  die   raus resultierende Entzündung bewirkt
          aortalen Gefäßabgänge sowie die Arte-  eine Proliferation der Intima sowie eine
          ria  temporalis  (Arteriitis  temporalis)   Destruktion der Media und führt in der
          betrifft.  Neben  einer  Beteiligung  der   Folge zu einer Einengung des Gefäßlu-
          extrakraniellen  Arterien  ist  auch  eine   mens  mit  potenziell  ischämischen
          Beteiligung der intrakraniellen Arterien   Komplikationen bzw. einer Gefäßwand-
          möglich.                           instabilität mit Auftreten einer Dissek-
          Die Erkrankung manifestiert sich typi-  tion.
          scherweise jenseits des 50. Lebensjah-
          res und stellt mit einer Inzidenz von 15   Klinische Symptomatik
          bis  30  Fällen  pro  100.000  Einwohner
          die häufigste Vaskulitis des Erwachse-  Die klinische Symptomatik der Riesen-
          nenalters  dar.  Aufgrund  potenziell   zellarteriitis  richtet  sich  maßgeblich
          schwerwiegender Komplikationen, ins-  nach dem dominierenden Manifestati-  Prof. Dr. Gunter Wolf
          besondere einer drohenden Erblindung,   onsort. So kann die Erkrankung die ex-
          einer Aortendissektion im Rahmen ei-  tra-  und/oder  intrakraniellen  Arterien
          ner  Aortitis  bzw.  eines  Schlaganfalles   betreffen. Bei der extrakraniellen Mani-
          als Folge einer intrakraniellen Riesen-  festation können sowohl isolierte Ver-
          zellarteriitis, sind eine frühe Diagnose-  läufe mit Beteiligung der Arteria tempo-
          stellung und die umgehende Einleitung   ralis im Sinne einer Arteriitis temporalis
          einer  adäquaten  Therapie  entschei-  als auch Formen mit isoliertem Befall
          dend. Der vorliegende Artikel soll einen   der  Aorta  auftreten.  Ebenso  sind  ge-
          aktuellen  Überblick  über  Klinik,  Diag-  mischte Verlaufsformen mit kombinier-
          nostik und Therapie der Riesenzellarte-  tem Ausbreitungsmuster möglich.
          riitis geben.                      Zur klassischen Symptomatik der Arte-
                                             riitis  temporalis  zählen  vor  allem  neu
          Pathophysiologie                   aufgetretene  temporale  Kopfschmer-
                                             zen, Kauschmerzen und Sehstörungen
          Die  Riesenzellarteriitis  gehört  zu  den   (Amaurosis  fugax,  Verschwommense-  Prof. Dr. Alexander Pfeil
          primären Vaskulitiden und ist charakte-  hen, Doppelbilder). Circa zehn Prozent
          risiert  durch  eine  autoimmunologisch   der Patienten erleiden eine vollständige
          bedingte  Entzündung  der  arteriellen   ein- oder beidseitige, meist irreversible   sowie subfebrile bis febrile Temperatu-
          Gefäßwand,  in  der  histopathologisch   Erblindung. Ursache für den Visusver-  ren im Vordergrund. Zu den potenziell
          häufig mehrkernige Riesenzellen nach-  lust ist größtenteils eine anteriore isch-  gravierenden  Komplikationen  zählen
          weisbar sind. Die Pathogenese ist bis-  ämische Optikusneuropathie (AION).  Aortenaneurysmen und -dissektionen,
          lang  nicht  vollständig  geklärt,  jedoch   Insbesondere  bei  der  extrakraniellen   die  sowohl  als  Erstmanifestation  der
          wird dendritischen Zellen der Adventi-  Manifestation  der  Riesenzellarteriitis   Erkrankung  als  auch  im  Verlauf  als
          tia, die eine T-Zell-vermittelte Immun-  im Bereich der Aorta und ihrer großen   Spätkomplikationen auftreten können.
          antwort  initiieren,  eine  zentrale  Rolle   Gefäßabgänge  stehen  unspezifische   Bei einer Beteiligung der intrakraniellen
          zugeschrieben.  Die  Aktivierung  von   Allgemeinsymptome  wie  Abgeschla-  Arterien können Kopfschmerzen, cere-
          CD4 -T-Zellen (insbesondere Th1- und   genheit,  ungewollter  Gewichtsverlust   brale Durchblutungsstörungen mit neu-
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