Page 15 - Ärzteblatt Thüringen, Mai 2026
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1.000 mg Methylprednisolon täglich schleichen der Glukokortikoide bei an- Kombination aus Anamnese, klinischer
über drei bis fünf Tage erfolgen. Er- haltender Remission (Therapiealgo- Untersuchung, Bestimmung der labor-
krankte mit einem rezidivierenden Ver- rithmus, siehe Abbildung 2). chemischen Entzündungsparameter
lauf oder einem erhöhten Risiko für und moderner Bildgebung. Die Gluko-
Glukokortikoid-assoziierte Folgeschä- Verlauf und Prognose kortikoidtherapie stellt weiterhin die
den sollten nach individueller Abwä- therapeutische Basis dar, wird jedoch
gung eine Glukokortikoid-einsparende Unter adäquater Therapie ist die Prog- zunehmend durch glukokortikoidspa-
Therapie mit Tocilizumab (monoklona- nose der Riesenzellarteriitis insgesamt rende Immunsuppressiva wie Tocili-
ler Antikörper gegen den Interleukin-6- gut. Visusverluste treten nach Einlei- zumab und Upadacitinib ergänzt. Für
Rezeptor) oder Upadacitinib (selektiver tung einer Glukokortikoidtherapie nur einen nachhaltigen Therapieerfolg sind
Januskinase 1-Inhibitor) erhalten. Me- noch selten auf. Allerdings erleiden 50 regelmäßige Verlaufskontrollen, eine
thotrexat kann als Alternative entspre- bis 70 Prozent der Patienten unter Glu- individuelle Therapieanpassung sowie
chend den internationalen Leitlinien kokortikoidmonotherapie während der die gezielte Mitbehandlung relevanter
eingesetzt werden, stellt aber formal Dosisreduktion oder nach Beendigung Komorbiditäten entscheidend.
eine Therapie außerhalb der Zulassung der Steroidtherapie ein Rezidiv. Engma-
dar. Aufgrund der präparatespezifi- schige klinische und laborchemische Dr. med. Carolin Pflug
schen Nebenwirkungen und Kontraindi- Verlaufskontrollen sind daher essenzi- Prof. Dr. med. Gunter Wolf
kationen bedarf die Wahl der immun- ell. Die Betreuung der Patienten an ei- Prof. Dr. med. Alexander Pfeil
suppressiven Therapie einer sorgfälti- nem Zentrum ist zu empfehlen. Rheumazentrum (G-BA-Kriterien) sowie
gen Risiko-Nutzen-Abwägung. Als spe- Langfristig ist das kardiovaskuläre Risi- Sektion Rheumatologie und Osteologie
zifische Nebenwirkungen von Tocili- ko der Patienten mit RZA erhöht. Zu- Klinik für Innere Medizin III
zumab sollten der fehlende Anstieg des sätzlich besteht insbesondere aufgrund Universitätsklinikum Jena
CRPs bei Infektionen bzw. eine Sigma- der Glukokortikoidtherapie ein erhöh- Am Klinikum 1
divertikulitis genannt werden. tes Risiko für Infektionen, Diabetes 07747 Jena
Nach Erreichen der Remission sollte mellitus Typ 2 und Osteoporose. Ko- E-Mail: carolin.pflug@med.uni-jena.de
die Glukokortikoiddosis schrittweise morbiditäten sollten daher gezielt ad-
reduziert werden. Im Rahmen einer ressiert werden, um Komplikationen
Glukokortikoidmonotherapie wird sowohl kurzfristig als auch langfristig
empfohlen, nach drei Monaten etwa 10 zu reduzieren.
bis 15 mg und nach einem Jahr ≤ 5 mg
Prednisolonäquivalent zu erreichen. Fazit
Unter einer Therapie mit Tocilizumab
oder Upadacitinib sollte eine schnelle- Die Riesenzellarteriitis ist eine potenzi-
re Reduktion der Glukokortikoiddosis ell schwerwiegende, jedoch behandel-
(über z. B. 26 Wochen) verglichen mit bare entzündlich rheumatische Erkran-
der Glukokortikoidmonotherapie erfol- kung. Eine rasche Diagnosestellung
gen. Ziel ist das vollständige Aus- gelingt in der Regel durch die gezielte
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