Page 18 - Ärzteblatt Thüringen, Mai 2026
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S CH W E R PU NK T





          Eine  frühzeitige  Kontaktaufnahme  mit   körpern vor. Innovative Therapieansät-  Infobox:
          einem spezialisierten Zentrum ist ent-  ze  wie  trispezifische  Antikörper  (z.  B.
          scheidend, um Therapieoptionen nicht   BCMA×CD38×CD3 beim multiplen Mye-  Wann an eine CAR-T-Zell-
          durch  zeitliche  Verzögerungen  zu  ver-  lom)  oder  Kombinationsstrategien  mit   Therapie denken
          lieren.  Beispielsweise  können  be-  bispezifischen Antikörpern und Antikör-
          stimmte Vortherapien (z. B. der Einsatz   perwirkstoffkonjugaten werden aktuell   Praxisorientierte Entschei-
          von  Bendamustin)  die  T-Zell-Fitness   unter anderem in der Klinik für Hämato-  dungshilfe für Ärztinnen und
          negativ  beeinflussen,  sodass  dies  im   logie und Onkologie am Universitätskli-  Ärzte: Eine frühzeitige Vorstel-
          Vorfeld des Einsatzes der CAR-T-Thera-  nikum Jena untersucht.
          pie diskutiert werden sollte.      Für die klinische Praxis bedeutet dies   lung im spezialisierten Zentrum
                                             gerade  deshalb,  dass  eine  frühzeitige   ist entscheidend, da Krank-
          CAR-T-Zellen, bispezifische Antikör-  Vorstellung potenziell geeigneter Pati-  heitsdynamik, Vortherapien
          per, Antikörper-Wirkstoff-Konjugate   entinnen  und  Patienten  am  Zentrum   und T-Zell-Fitness den Thera-
          – Konkurrenz oder Ergänzung?       entscheidend ist, um Therapieschritte   pieerfolg maßgeblich beein-
                                             (inkl. möglicher überbrückender Thera-  flussen.
          Im  Jahr  2026  ist  die  hämatologisch-  pien,  Therapiesequenzen  und  Studi-
          onkologische  Immuntherapie  deutlich   enoptionen) vorausschauend zu planen
          breiter  als  noch  vor  wenigen  Jahren.   und diese innovativen Konzepte verfüg-
          Neben  CAR-T-Zellen  sind  T-Zell-enga-  bar zu machen.
          gierende,  bispezifische  Antikörper  in-                             mend auch bei soliden Tumoren in kli-
          zwischen in unterschiedlichen Entitäten   Perspektiven: klinische Studien,   nischen Studien untersucht. Besonders
          klinischer  Standard  (z.  B.  CD20×CD3   Einsatz bei nicht B-Zell-abhängigen   vielversprechend  erscheinen  hierbei
          beim B-Zell-Lymphom oder BCMA×CD3   hämatologischen Neoplasien,       Ansätze mit tumorspezifischen Zielan-
          beim multiplen Myelom). Sie sind „off-  soliden Tumoren und Autoimmuner-  tigenen (z. B. Claudin-18.2, Mesothelin
          the-shelf“ verfügbar, hochwirksam und   krankungen                    oder GD2) sowie sogenannte Next-Ge-
          teilweise  ambulant  einsetzbar.  Aller-                              neration-CAR-T-Zellen,  die  durch  zu-
          dings erfordern diese häufig eine lange   Über B-Zell-Neoplasien hinaus wird der   sätzliche immunmodulatorische Eigen-
          Therapiedauer, zum Teil eine kontinu-  Einsatz von CAR-T-Zellen bei weiteren   schaften oder Kombinationsstrategien
          ierliche Therapie. Vergleichende Studi-  Entitäten intensiv entwickelt. Beispiels-  (z. B. mit Checkpoint-Inhibitoren) dar-
          en zwischen CAR-T-Therapie und bispe-  weise  werden  bei  der  akuten  myeloi-  auf  abzielen,  die  bislang  limitierende
          zifischen  Antikörpern  gibt  es  aktuell   schen Leukämie CAR-T-Ansätze gegen   Tumorinfiltration und Immunsuppressi-
          nicht,  die  derzeitigen  Empfehlungen   Zielstrukturen  wie  CD33,  CD123  oder   on im soliden Tumormilieu zu überwin-
          ziehen  jedoch  häufig  den  Einsatz  von   CLL-1/CLEC12A klinisch geprüft. Darü-  den.  Schließlich  hat  der  Einsatz  von
          CAR-T-Zellen  den  bispezifischen  Anti-  ber hinaus werden CAR-T-Zellen zuneh-  CD19-CAR-T in therapierefraktären B-
                                                                                              Zell-vermittelten  Au-
                                                                                              toimmunerkrankun-
                                                                                              gen (z. B. SLE, Myosi-
                                                                                              tis, systemische Skle-
                                                                                              rose,   Myasthenia
                                                                                              gravis, Multiple Skle-
                                                                                              rose  etc.)  in  klini-
                                                                                              schen Serien eine ra-
                                                                                              sche, teilweise stero-
                                                                                              idfreie  Remission  er-
                                                                                              reicht. Auch hier führt
                                                                                              das Universitätsklini-
                                                                                              kum Jena in enger in-
                                                                                              terdisziplinärer   Ko-
                                                                                              operation  zwischen
                                                                                              den  Kliniken  für  Hä-
                                                                                              matologie,  Rheuma-
                                                                                              tologie  und  Neurolo-
                                                                                              gie  klinische  Studien
                                                                                              durch.





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