Page 21 - Ärzteblatt Thüringen, Mai 2026
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          ten-Gehtestes und der postoperativen   rung des Wohlbefindens ist eine gesun-  Festlegung der therapeutischen Strate-
          funktionellen Kapazität resultierte.  de und ausgewogene Ernährung wich-  gie, insbesondere bei einer Indikation
                                            tig,  die  personalisiert  auf  die  Bedürf-  zur  Operation,  wird  die  funktionelle
          Pulmonale Rehabilitation          nisse des Patienten und dessen Tumor-  Operabilität  beurteilt.  Bei  COPD  mit
          Die  koexistierende  COPD  bei  Lungen-  erkrankung  durch  professionelle  Er-  deutlich eingeschränkten Lungenfunk-
          krebspatienten ist der wichtigste prä-  nährungsberatung  erfolgen  muss.  In   tionsparametern,  einer  Malnutrition,
          operative  Risikofaktor.  Bei  COPD  ist   einer Studie bei gastrointestinalen Tu-  aktivem Nikotinabusus und einem CFS
          eine  pulmonale  Rehabilitation  ab  ei-  moren  konnte  gezeigt  werden,  dass   ≥ 4 wird eine Prähabilitation empfoh-
          nem Schweregrad von GOLD III und IV   eine  Optimierung  der  präoperativen   len.  Nach  Aufklärung  des  Patienten
          unerlässlich,  insbesondere  vor  einem   Ernährung ein unabhängiger Prognose-  und  dessen  Einverständnis  wird  nach
          operativen  Eingriff  an  der  Lunge.  Ne-  faktor und mit einer verbesserten post-  Zusage der  Kostenträger  zeitnah  eine
          ben der Optimierung der antiobstrukti-  operativen Rekonvaleszenz verbunden   stationäre  Prähabilitation  über  die
          ven medikamentösen Therapie und der   war.                           Dauer von 21 Tage durchgeführt. Nach
          Raucherentwöhnung sowie der Ernäh-                                   messbarer Verbesserung der allgemei-
          rungsberatung stehen hier physiothe-  Rauchstopp bzw.                nen und pulmonalen Leistungsfähigkeit
          rapeutische  und  ergotherapeutische   Raucherentwöhnung             erfolgt in wenigen Tagen die Operation.
          Maßnahmen  im  Vordergrund.  Ziele   Die  Mehrzahl  der  Patienten  mit  Lun-  Die Prähabilitation sollte so schnell wie
          sind die Steigerung der Leistungsfähig-  genkarzinom sind Raucher. Ein Rauch-  möglich  nach  Diagnosestellung  erfol-
          keit,  die  Besserung  von  Obstruktion,   stopp reduziert signifikant die Inzidenz   gen, damit die Zeitverzögerung von der
          bronchialer Sekretmobilisation und das   von  postoperativen  Komplikationen,   Diagnosestellung  bis  zur  Therapie
          Erlernen  der  effektiven  Atem-  und   wobei der positive protektive Effekt mit   möglichst kurz ist. Eine Studie zur Zeit-
          Hustentechnik.                    jeder  Woche  Rauchstopp  um  19  Pro-  verzögerung  der  operativen  Therapie
          Die  Wirksamkeit  einer  präoperativen   zent steigt. Vier Wochen Nichtrauchen   beim  kolorektalen  Karzinom  ergab,
          pulmonalen Rehabilitation bei Patien-  führen zu einer relativen Risikoredukti-  dass bei Überschreitung von 45 Tagen
          ten, die einer Lungenresektion wegen   on von pulmonalen Komplikationen um   nach Diagnosestellung das Überleben
          Lungenkrebs unterzogen werden, ist in   23 Prozent. Die Adhärenz zum Rauch-  signifikant schlechter war.  Beim Lun-
          Studien  nachgewiesen.  Bei  Patienten   verzicht ist am größten, wenn die Rau-  genkarzinom hat eine Verlängerung der
          mit  einer  schlechten  Lungenfunktion   cherentwöhnung unter stationären Be-  Zeit von der Diagnose bis zur Operation
          konnte  nach  vier  Wochen  pulmonaler   dingungen erfolgt.          von mehr als 31 Tagen einen negativen
          Rehabilitation vor einer OP ein signifi-  Zusammenfassend sind eine optimier-  Einfluss  auf  das  Gesamt-  und  tumor-
          kanter Anstieg der FEV1 erreicht wer-  te medikamentöse Therapie, Raucher-  spezifische Überleben.
          den. In einer ähnlichen Untersuchung   entwöhnung  und  pulmonale  Rehabili-
          bei Patienten mit moderater bis schwe-  tation in Verbindung mit körperlichem   Literatur bei den Verfassern.
          rer  COPD  (GOLD  2–3)  und  Lungen-  Training die drei wichtigsten Strategien
          krebserkrankung waren FEV1 und FVC   zur Verbesserung der Prognose von Pa-  Prof. Dr. med. Thomas Lesser
          nach präoperativer Rehabilitation sig-  tienten  mit  Lungenkrebs  und  COPD   Chefarzt Klinik für Thorax- und
          nifikant  angestiegen.  Weitere  Studien   nach einer Lungenoperation.  Gefäßchirurgie
          zeigten, dass eine pulmonale Rehabili-                               Leiter LKZ (DKG)
          tation zu einer Reduktion der postope-  4. Praktisches Vorgehen      SRH Wald-Klinikum Gera GmbH
          rativen  Komplikationen  und  Verkür-                                Straße des Friedens 122
          zung  des  Krankenhausaufenthaltes   In enger Zusammenarbeit mit der As-  07548 Gera
          führen.  Diese  Ergebnisse  unterstrei-  klepios-Klinik in Bad Salzungen hat das   E-Mail: Thomas.Lesser@srh.de
          chen die Notwendigkeit einer präope-  Lungenkrebszentrum  Gera  ein  neues,
          rativen pulmonalen Rehabilitation, um   vielversprechendes und bislang einzig-  Prof. Dr. med. Andreas Dösch, MHBA
          die Funktionseinschränkungen vor OP   artiges  Behandlungskonzept  entwi-  Chefarzt Innere Medizin
          und  die  postoperative  Genesung  zu   ckelt. Nach entsprechender Tumordia-  Asklepios Klinik Bad Salzungen GmbH
          verbessern.                       gnostik,  Staging  und  Funktionsdiag-  Burgseestraße 5
                                            nostik  (Echokardiographie,  Bodyple-  36433 Bad Salzungen
          Ernährungsoptimierung             thysmographie,   Diffusionskapazität,
          Bei  Tumorpatienten  kann  man  häufig   6-Minuten-Gehtest, evtl. Spiroergome-
          Appetitlosigkeit  sowie  falsche  und   trie,  evtl.  Koronarangiographie)  und
          Mangelernährung  beobachten.  Dies   der  Bestimmung  der  Gebrechlichkeit
          kann zur Kachexie und Sarkopenie füh-  (Clinical Frailty Scale, CFS) erfolgt die
          ren.  Zur  Gewichtszunahme,  vor  allem   Vorstellung des Patienten in der inter-
          durch  Muskelaufbau,  und  zur  Steige-  disziplinären  Tumorkonferenz.  Nach




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