Page 20 - Ärzteblatt Thüringen, Mai 2026
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S CH W E R PU NK T
Prähabilitation vor einer Lungen-
krebsoperation
Thomas Lesser, Andreas Dösch
1. Einfluss von Gebrechlichkeit gen und dem Lungenkrebszentrum
und Nebenerkrankungen auf das Gera wurde ein Konzept der Prähabili-
Outcome nach einer Tumoroperation tation von Lungenkrebspatienten vor
einer Operation erarbeitet und nach
Bei Tumorpatienten werden oft ein Ge- Genehmigung durch die Kostenträger Prof. Dr. Thomas Lesser
wichtsverlust, eine reduzierte Muskel- seit August 2025 umgesetzt.
masse verbunden mit muskulärer
Schwäche, schnelle Erschöpfung und 2. Ziele der Prähabilitation
allgemeine Inaktivität beobachtet. Ab
einem clinical frailty scale (CFS) ≥ 4 ha- Das vordergründige Ziel einer Prähabi-
ben diese Patienten nach einer Tumor- litation ist die Herstellung eines opti-
chirurgie eine erhöhte Sterblichkeit (OR malen präoperativen Zustandes.
3.02), vermehrte postoperative Kompli- Damit verbunden sind:
kationen und einen verlängerten Kran- ■ Verringerung postoperativer Kompli-
kenhausaufenthalt. kationen
Circa 40 bis 70 Prozent der Lungen- ■ Senkung der postoperativen Sterb-
krebspatienten haben auch eine COPD, lichkeit
die vorwiegend durch Rauchen verur- ■ Verkürzung des stationären Aufent-
sacht wird. 74 Prozent der im Jahr 2023 haltes
am Lungenkrebszentrum (LKZ) Gera ■ Vermeidung einer dauerhaften Ab- Prof. Dr. Andreas Dösch, MHBA
anatomisch resezierten Patienten wie- hängigkeit der Patienten
sen eine COPD als Komorbidität auf; ■ Vermeidung oder Reduktion von Pfle-
davon 57,3 Prozent eine moderate gegraden
(GOLD 2) und 17,6 Prozent eine schwe- Kräftigung der Muskulatur ist Voraus-
re COPD (GOLD 3). 82,6 Prozent der 3. Effekte einer Prähabilitation setzung für eine schnelle Mobilisation
operierten Patienten waren Raucher, nach einer OP.
59,2 Prozent starke Raucher. Mehrere Die Prähabilitation ist am wirksamsten, Die körperliche Aktivität hat auch posi-
Studien konnten zeigen, dass eine wenn sie multimodal erfolgt, d. h., prä- tive Auswirkungen auf die Tumorbe-
COPD die Inzidenz von postoperativen operatives Training (Kraft und Ausdau- kämpfung. Hierbei spielen die Mobili-
Komplikationen bei Lungenkrebspati- er), pulmonale Rehabilitation, Ernäh- sation und Aktivierung von Immunzel-
enten erhöht. Aus diesen Gründen wur- rungsoptimierung, Rauchstopp bzw. len und natürlichen Killerzellen sowie
de von einem internationalen Experten- Raucherentwöhnung und psychologi- die Erhöhung der Tumorinfiltration mit
gremium in einem Konsensuspapier zur sche Intervention sollten kombiniert CD8+ T-Zellen eine Rolle. Neben der
Diagnostik und Behandlung von Lun- werden. Aktivierung der Tumorabwehr sind
genkrebs bei COPD-Patienten empfoh- neuroprotektive, antiinflammatorische
len, vor einer Lungenoperation einen Bewegung, Kraft- und und gefäßneubildende Effekte des
Raucherstopp, eine optimale medika- Ausdauertraining Trainings beschrieben.
mentöse bronchodilatatorische Thera- Ein präoperatives Training hat viele po- Des Weiteren führt Training zu einer
pie und eine pulmonale Rehabilitation sitive Auswirkungen. Durch Aufbau der Verbesserung der kardiopulmonalen
durchzuführen. Eine Prähabilitation un- Muskulatur, insbesondere der Atem- Leistungsfähigkeit. Eine Erhöhung der
ter stationären Bedingungen kann eine muskulatur kommt es zu effektiverer Sauerstoffaufnahme (Peak VO2) und
wichtige Maßnahme darstellen, um Atmung und Hustenstoß, der beson- der Atemeffizienz (VE/VCO2) sind mit
funktionelle Operabilität zu erreichen ders in der frühen postoperativen Pha- einer geringeren postoperativen Kom-
und das Risiko von postoperativen se sehr wichtig für die bronchiale Se- plikationsrate verbunden. Eine andere
Komplikationen bzw. Sterbefällen zu kretmobilisation ist. Sekretverhalt Metaanalyse zur Wirkung eines prä-
reduzieren. In enger Kooperation zwi- durch ineffektiven Hustenstoß führt operativen Trainings ergab, dass eine
schen der Asklepios Klinik Bad Salzun- konsekutiv zur Lungenentzündung. Die signifikante Verbesserung des 6-Minu-
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