Page 17 - Ärzteblatt Thüringen, Mai 2026
P. 17
S CH W E R PU NK T
mit diffus-großzelligem B-Zell-Lym- telzelllymphom kommt diese ab der Nebenwirkungen und klinisches
phom (DLBCL) ab der dritten Therapie- dritten Therapielinie zum Einsatz. Beim Management
linie zugelassen. Inzwischen haben follikulären Lymphom zeigen die CD19-
prospektive randomisierte Studien den gerichteten CAR-T-Zellen auch bei Die wichtigsten therapietypischen Ne-
Stellenwert deutlich erweitert. Die Stu- Hochrisikopatienten (POD24, rezidi- benwirkungen sind das Zytokin-Frei-
dien ZUMA-7 und TRANSFORM zeigten, vierte/refraktäre Verläufe innerhalb setzungssyndrom (CRS) und die im-
dass CD19-gerichtete CAR-T-Zellen be- von zwei Jahren nach Beginn der Erst- munvermittelte Neurotoxizität (ICANS).
reits in der zweiten Therapielinie der linienchemotherapie) außergewöhnlich Beide treten zeitlich begrenzt auf und
konventionellen Salvage-Chemothera- hohe Ansprechraten. Langzeitdaten sind bei frühzeitiger Erkennung gut be-
pie mit anschließender autologer belegen, dass ein relevanter Anteil der handelbar. Entscheidend ist die inter-
Stammzelltransplantation bei primär Patienten über Jahre krankheitsfrei disziplinäre Betreuung unter Einbin-
refraktären Verläufen oder frühem Re- bleibt. Ebenso hat die CAR-T-Zell-The- dung von Intensivmedizin, Neurologie
zidiv (< zwölf Monate nach Abschluss rapie beim Mantelzelllymphom nach und Hämatologie. Dies unterstreicht die
der Erstlinientherapie) überlegen sind. Versagen von BTK-Inhibitoren inzwi- Notwendigkeit einer Durchführung an
Neben signifikant höheren Komplettre- schen einen festen Stellenwert. Lang- hoch spezialisierten Zentren.
missionsraten, einem verlängerten er- zeitdaten zeigen anhaltende Remissio-
eignisfreien Überleben führten die CAR- nen selbst bei biologisch hoch aggres- Warum CAR-T-Zell-Therapie an
T-Produkte Axicabtagen-Ciloleucel siven Verläufen (p53-Aberration, hoher spezialisierten Zentren?
(Axi-Cel) und Lisocabtagen-maraleucel Ki67).
(Liso-Cel) erstmals auch zu einem sig- Die CAR-T-Zell-Therapie ist keine iso-
nifikanten Überlebensvorteil. Zusätz- Multiples Myelom lierte Infusion, sondern ein komplexer
lich konnten Studien eine bessere Le- mehrwöchiger Behandlungsprozess.
bensqualität nach erfolgter CAR-T-Zell- Beim rezidivierten multiplen Myelom Dieser umfasst Patientenselektion,
Therapie im Unterschied zur Hochdosis- haben BCMA-gerichtete CAR-T-Zellen Leukapherese, Bridging-Therapie, Zell-
chemotherapie mit autologer Blut- (Ciltacabtagene Autoleucel) beeindru- logistik, Nebenwirkungsmanagement
stammzelltransplantation zeigen. ckende Wirksamkeit gezeigt. Die klini- und strukturierte Nachsorge. Die enge
sche Phase-III-Zulassungsstudie CAR- interdisziplinäre Zusammenarbeit mit
Indolente Lymphome (follikuläres TITUDE-4 belegt signifikante Vorteile Einbindung unterschiedlicher Fachdis-
Lymphom, Mantelzelllymphom) gegenüber Standardtherapien bereits ziplinen wie die Transfusionsmedizin
ab der zweiten Therapielinie. Die deut- (Durchführung der Leukapherese) und
Auch bei indolenten Lymphomen hat liche Tiefe und anhaltende Dauer der Klinikumsapotheke (Logistik der Be-
sich die CAR-T-Therapie inzwischen als Remissionen machen die CAR-T-Zell- stellung, Annahme des finalen Produk-
feste Standardtherapie etabliert. So- Therapie zu einer zentralen Option bei tes) sowie Erfahrung mit potenziell le-
wohl beim follikulären B-Zell-Non- Lenalidomid-refraktären oder früh rezi- bensbedrohlichen Komplikationen sind
Hodg kin-Lymphom als auch beim Man- divierten Verläufen. essenziell. Für Zuweiser bedeutet dies:
Entität CAR-T-Produkt Zulassung
Diffus-großzelliges B-Zell Axicabtagen ciloleucel (CD19) Refraktärität oder Frührezidiv ≤ 12 Monate nach Erst -
Lymphom Lisocabtagen maracel (CD19) linientherapie (z. B. R-CHOP): ab zweiter Therapielinie
Tisagenlecleucel (CD19) Spätrezidiv: ab dritter Therapielinie
Follikuläres Lymphom Lisocabtagen maracel (CD19) Ab dritter Therapielinie
Tisagenlecleucel (CD19)
Axicabtagen ciloleucel (CD19) Ab vierter Therapielinie
Mantelzelllymphom Brexucabtagen autoleucel (CD19) Ab dritter Therapielinie (nach BTKi-Versagen)
Lisocabtagen maracel (CD19)
Multiples Myelom Ciltacabtagen autoleucel (BCMA) Ab zweiter Therapielinie (inkl. Immunmodulator und
Proteasominhibitor, Lenalidomid refraktär)
B-Zell Akute Lymphati- Brexucabtagen autoleucel (CD19) Rezidivierte oder refraktäre B-Zell-Vorläufer ALL, auch
sche Leukämie Tisagenlecleucel (CD19) als Brücke zur allogenen Blutstammzelltransplantation
ÄRZTEBL AT T THÜRINGEN • 5/2026 17

