Page 14 - Ärzteblatt Thüringen, Juli/August 2026
P. 14
S CH W E R PU NK T
Chronische Rhinitis und
chronische Rhinosinusitis
Katharina Geißler, Orlando Guntinas-Lichius, Mussab Kouka
Chronische Rhinitis (CR) und chroni- zierte Rhinitis. Jede dieser Formen
sche Rhinosinusitis (CRS) sind häufige weist charakteristische anamnestische
Krankheitsbilder, die nicht nur von Schlüsselmerkmale auf, welche die ge-
HNO-Ärzten behandelt werden. Neben zielte Diagnostik und Therapieplanung
den für die CR typischen Symptomen ermöglichen.
Nasenatmungsbehinderung und Na- PD Dr. Katharina Geißler
sensekretion liegen bei der CRS als ent- Chronische Rhinosinusitis
scheidende differenzialdiagnostische
Kriterien häufig Nasennebenhöhlenbe- Fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung
schwerden wie Gesichtsschmerz oder leiden unter einer CRS. Klinisch wird die
-druck sowie Riechminderung vor. CRS entsprechend dem vorherrschen-
den Entzündungsmechanismus und
Chronische Rhinitis dem Ansprechen auf die Therapie wei-
ter differenziert. Dabei erfolgt die Ein-
Bis zu 30 Prozent der Bevölkerung sind teilung in zwei Formen anhand des Vor-
von einer CR betroffen. Ätiologisch las- handenseins von Polypen:
sen sich chronische Rhinitiden in vier
Hauptgruppen unterteilen: die allergi- ■ Chronische Rhinosinusitis mit (eng-
sche Rhinitis (AR), die nicht allergische lisch „with“) Nasenpolypen (CRS-
Rhinitis (NAR), die infektiöse Rhinitis wNP)
sowie Mischformen. Die durch Schleim- ■ Chronische Rhinosinusitis ohne (la- Prof. Dr. Orlando Guntinas-Lichius
hautentzündung verursachten Sympto- teinisch „sine“) Nasenpolypen (CRS-
me können dabei durch anatomische sNP): Pathophysiologisch steht eine
Varianten wie Stenosen der Nasenklap- anhaltende Entzündungsreaktion im
pe, Nasenmuschelhyperplasie, Sep- Vordergrund, die heute in zwei
tumdeviation oder Adenoide verstärkt Haupttypen unterteilt wird:
werden. Die AR ist die häufigste Form 1. Non-Typ-2-Inflammation (oder
und beruht auf einer IgE-vermittelten Th1-gesteuert): Diese Form ist
Typ-I-Reaktion. Im Gegensatz dazu durch eine vorherrschende neu-
handelt es sich bei der NAR um eine he- trophile Entzündung gekennzeich-
terogene Gruppe, bei der weder ein al- net und steht oft im Zusammen-
lergologischer Nachweis gelingt noch hang mit bakteriellen Biofilmen
klinische Zeichen einer akuten Infekti- oder Störungen der mukoziliären
on vorliegen. Zur Vereinfachung der kli- Clearance.
nischen Einordnung schlägt das Positi- 2. Typ-2-Inflammation (oder Th2-
onspapier der European Academy of gesteuert): Hier dominieren Ent- PD Dr. Mussab Kouka
Allergy and Clinical Immunology (EAA- zündungszellen wie Eosinophile
CI) eine praxisorientierte Klassifikation sowie Interleukine (IL) wie IL-4,
vor, die nach Ausschluss von infektiöser IL-5 und IL-13. Dieser Endotyp ist Diagnostik
und allergischer Genese sechs Subty- häufig mit Nasenpolypen sowie
pen der NAR unterscheidet. Diese um- komorbiden Erkrankungen wie Die Diagnostik der verschiedenen For-
fassen die idiopathische (vasomotori- Asthma bronchiale und atopi- men der NAR erfolgt nach Ausschluss
sche) Rhinitis, die Altersrhinitis (senile scher Dermatitis assoziiert. Bei einer infektiösen oder allergischen Ge-
Rhinitis), die gustatorische Rhinitis, die 80 Prozent der Patienten mit nese primär anamnestisch (Abbildung
hormonell bedingte Rhinitis (z. B. in der CRSwNP steht dieser Entzün- 1). Entscheidende anamnestische Para-
Schwangerschaft), die berufsbedingte dungsmechanismus im Vorder- meter umfassen das Patientenalter, Be-
Rhinitis sowie die Medikamenten-indu- grund. ruf, Medikation, hormoneller Status
14 ÄRZTEBL AT T THÜRINGEN • 7-8/2026

