Page 19 - Ärzteblatt Thüringen, Juli/August 2026
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          Um die Diagnose eines Asthma bronchi-  koll ergänzt werden, kann aber bei kriti-  IgE-vermittelten Sensibilisierung vom
          ale zu erhärten, sollte als Basis eine va-  scher Interpretation hilfreich sein, um   Soforttyp. Die Durchführung, Bewertung
          riable und reversible Atemwegsobstruk-  auslösende Situationen zu identifizieren.   und Dokumentation sollte leitlinienkon-
          tion durch eine Lungenfunktionsprüfung   Voraussetzung für die Verwertbarkeit   form erfolgen, insbesondere sind Nega-
          nachgewiesen werden, idealerweise in   der Ergebnisse ist die vorausgehende   tiv- und Positivkontrollen mitzuführen
          mehrfach reproduzierbaren Fluss-Volu-  Einweisung der Patienten in die korrekte   und die etwaige Beeinflussung der Test-
          men-Kurven. Da die Spirometrie mitar-  Handhabung und Durchführung der Mes-  ergebnisse  durch  Medikamente  zu  be-
          beitsabhängig ist, empfiehlt es sich, ggf.   sungen. Auch mobile Lungenfunktions-  rücksichtigen (z. B. Antihistaminika, Anti-
          zusätzlich weniger mitarbeitsabhängige   messungen, z. B. zur Erfassung der Lun-  depressiva). Es steht eine Vielzahl kom-
          Methoden heranzuziehen. Dabei gilt die   genfunktionswerte am Arbeitsplatz, bie-  merzieller Extrakte für ubiquitäre und
          Ganzkörperplethysmographie bei etwaig   ten die Möglichkeit, die pulmonale Reak-  berufstypische Allergene zur Verfügung.
          fraglicher spirometrischer Obstruktion   tion auf die komplexen inhalativen Ein-  Alternativ oder ergänzend, auch bei
          als wichtiges zusätzliches Verfahren.   wirkungen am Arbeitsplatz im realen   schweren  Hautveränderungen  im  Test-
          Auch im Falle einer vermuteten Überblä-  Kontext darzustellen. Idealerweise soll-  areal sowie bei Urticaria factitia, steht
          hung stellt sie ein wichtiges diagnosti-  ten diese Ergebnisse mit Messungen   der serologische Nachweis von spezifi-
          sches Instrument dar.             ohne Arbeitsplatzexposition verglichen   schem Immunglobulin E (sIgE) zur Ver-
          Bei nachgewiesener Atemwegsobstruk-  werden.                         fügung, derjenigen Fraktion der gesam-
          tion  empfiehlt  es  sich,  zur  Bestätigung                         ten IgE-Antikörper im Serum, deren Spe-
          der Diagnose einen Reversibilitätstest   Allergologische Diagnostik  zifität gegenüber bestimmten Allergenen
          mit einem kurz wirkenden Beta-2-                                     mithilfe von In-vitro-Verfahren bestimmt
          Sympathomimetikum (SABA) durchzu-  Bei Patienten mit Asthma bronchiale   werden kann. Es existieren verschiedene
          führen. Der Nachweis einer vollständig   empfiehlt  es  sich,  eine  allergologische   kommerziell etablierte Methoden zur
          reversiblen Obstruktion bestätigt ein   Stufendiagnostik durchzuführen in Form   Bestimmung des sIgE. Nach längerer Ex-
          Asthma bronchiale und stellt eine Ab-  einer vertiefenden allergologischen Ana-  positionskarenz  kann  die  IgE-Bestim-
          grenzung zur chronisch obstruktiven   mnese einschließlich einer arbeitsmedi-  mung allerdings negativ ausfallen. Bei
          Lungenerkrankung (COPD) dar.      zinischen Anamnese, einer Untersu-  bestimmten Fragestellungen können
          Sofern die Lungenfunktion nicht einge-  chung  auf  allergenspezifische  Immun-  ergänzend weitere immunologische
          schränkt ist, aber die Anamnese für ein   globuline E (sIgE) mittels Prick-Hauttest   Testverfahren (Inhibitionstests etc.) hilf-
          Asthma bronchiale spricht, empfiehlt es   und/oder serologischer Bestimmung des   reich sein, deren Anwendung allerdings
          sich, die Diagnose durch den Nachweis   spezifischen IgE (sIgE) und ggf. allergen-  Ausnahmefällen vorbehalten bleibt.
          einer unspezifischen bronchialen Hyper-  spezifischer   Organprovokationstests   Der Nachweis spezifischer IgE-Antikör-
          reagibilität zu ergänzen. Dazu stehen un-  (Abbildung 1).            per allein „beweist“ noch keine klinisch
          terschiedliche Methoden und Auswerte-  Prick-Hauttests stellen dabei etablierte   relevante Allergie. In der Regel ergeben
          verfahren zur Verfügung, beispielsweise   allergologische  Hauttestverfahren  dar   sich über eine ausführliche Anamnese
          die unspezifische inhalative Provokation   und sind geeignet zum Nachweis einer   hinreichende Erkenntnisse, ob eine klini-
          mit Pharmaka (z. B. Methacholin). Zur
          Sicherung der Diagnose kann auch –
          zeitlich begrenzt – ein inhalatives Corti-           Atemnot, häufig anfallsartig, Husten, Brustenge
          costeroid (ICS) appliziert werden, um ein
          Therapieansprechen zu prüfen. Die Be-
          stimmung des exhalativen Stickoxids     Anamnese               Körperliche             Lungenfunktion
          (FeNO) gilt als unverzichtbares Element                       Untersuchung
          in der Diagnostik des Asthma bronchiale
          und der Steuerung der Therapie. Dabei   Exposition           Peak-flow-Protokoll           Obstruktion
          sind Werte > 50 ppb als sicher patholo-
          gisch einzustufen, ein niedrigerer FeNO-
                                                          Prick-Hauttest
          Wert schließt die Diagnose Asthma               Bestimmung sIgE                           Reversibilität
          bronchiale jedoch nicht aus. Auch die
          Auswertung der tageszeitlichen Schwan-
                                                                                                     bronchiale
          kungen in der seriellen Peak-Flow-Mes-         Expositionskongruenz                       Hyperreagibilität
                                                            Karenztest
          sung als alleiniges Kriterium für die Dia-
          gnose eines Asthma bronchiale emp-
          fiehlt sich nicht. Die Auswertung von se-       Provokationstest                        Therapieansprechen
          riellen Peak-Flow-Messungen, sofern sie
          durch ein aussagekräftiges Tagesproto-  Abb. 1. Diagnostik bei Verdacht auf ein allergisches Asthma bronchiale.




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