Page 22 - Ärzteblatt Thüringen, Juli/August 2026
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          berufsbedingte exogen-allergische Alve-  nicht beweisend. Der fehlende Nachweis   charakteristische Zeichen und Vertei-
          olitis ist eine Verdachtsmeldung einer BK   erhöhter  spezifischer  IgG-Antikörper   lungen einer rein inflammatorischen
          4201 an den Unfallversicherungsträger   schließt eine EAA auch keinesfalls aus.  bzw.  akuten  Exazerbation  einer  fibro-
          zu richten.                        Wird  ein  auslösendes  Antigen  identifi-  sierenden EAA (Milchglastrübungen,
          Es wurden bislang mehrere Hundert ver-  ziert, kann ein Karenztest durchgeführt   Milchglasknötchen, Konsolidierungen
          schiedene Auslöser für eine EAA be-  werden. Akute Verläufe sind nach Karenz   etc.) beziehungsweise einer EAA mit
          schrieben. Zu möglichen Antigenen wird   häufig selbstlimitierend. Je nach Schwe-  Fibrose (Retikulationen, Traktionsbron-
          seitens der S2k-Leitlinie Diagnostik und   re der Symptome und der funktionellen   chiektasen, Honigwaben etc.) unter-
          Therapie der exogen-allergischen Alveo-  Einschränkungen sollte eine zusätzliche   schieden werden. Die Schichtdicke soll-
          litis auf die Onlineplattform www.hp-  Therapie erfolgen. Normalisieren sich   te dabei 1,5 Millimeter nicht überschrei-
          lung.com verwiesen.                nach entsprechender Meidung initial pa-  ten. Nur bei spezieller Fragestellung
          Im Mittelpunkt der Labordiagnostik bei   thologische Parameter, kann ggf. unter   erfolgen zusätzliche Aufnahmen in
          Verdacht auf eine EAA steht der Nach-  kontrollierten Bedingungen wieder eine   Bauchlage oder in Exspiration.
          weis spezifischer IgG-Antikörperkonzen-  Exposition mit dem verdächtigten Um-  Die Bronchoskopie mit bronchoalveo-
          trationen gegen die in Verdacht stehen-  feld erfolgen, um unterstützt von ent-  lärer Lavage (BAL) stellt einen wichti-
          den Antigene. Allerdings weist ein positi-  sprechender Diagnostik die Diagnose   gen diagnostischen Baustein bei Ver-
          ver IgG-Antikörpertest zunächst nur auf   einer EAA zu sichern (Karenz-Reexposi-  dacht auf eine EAA dar. Eine lymphozy-
          eine Exposition hin und bestätigt allein   tions-Test). Ein einzelner Befund kann   täre Alveolitis in der BAL gilt als cha-
          nicht die Diagnose einer EAA. Es stehen   dabei die Diagnose einer EAA nicht zwei-  rakteristisch. Bei der akuten EAA kann
          verschiedene qualitative und quantitati-  felsfrei belegen. Vielmehr stützt sich   innerhalb der ersten 48 Stunden nach
          ve kommerziell erhältliche Testverfahren   diese auf eine Kombination verschiede-  Antigenexposition eine neutrophile Al-
          zur  Bestimmung  spezifischer  IgG-Anti-  ner Diagnosekriterien, wobei zu den we-  veolitis nachweisbar sein. Dennoch ist
          körper mit jeweils unterschiedlichen   sentlichen Bausteinen der Diagnostik die   eine Abgrenzung zu anderen interstiti-
          Spezifitäten und Sensitivitäten zur Verfü-  Anamnese mit Nachweis der Exposition,   ellen Lungenerkrankungen über die Er-
          gung, meist mittels Enzymimmunoas-  der Nachweis einer Sensibilisierung und/  gebnisse der BAL nicht immer eindeu-
          says, ursprünglich mittels Doppel-Im-  oder einer Lymphozytose in der BAL so-  tig möglich, sodass eine histologische
          mundiffusion nach Ouchterlony oder mit   wie  Zeichen  einer  interstitiellen  Lun-  Sicherung erforderlich sein kann. Hier-
          der Immunelektrophoresetechnik. Im   generkrankung mit charakteristischer   für kommen transbronchiale Zangen-
          Gegensatz zur  Bewertung  der spezifi-  Morphologie in HRCT und/oder Biopsie   oder Kryobiopsien sowie die chirurgi-
          schen IgE-Konzentrationen (mit dem   zählen.  Dabei  werden  nichtfibrotische   sche Lungenbiopsie infrage. Die Befun-
          Cut-off  > 0,35 kU/l) besteht kein Kon-  und  fibrotische  Verlaufsformen  unter-  de aus Klinik, Labor, BAL, HR-CT und
          sens hinsichtlich der Grenzwerte, die   schieden.                     Histologie ergeben jeweils ein Muster,
          den „Normalbereich“ bei gesunden Per-  Aufgrund ihrer geringen Sensitivität und   das im Zusammenhang mit allen ande-
          sonen von „pathologischen“ Werten bei   Spezifität  gilt  dabei  die  Röntgen-Tho-  ren Befunden interpretiert werden soll-
          an EAA Erkrankten abgrenzen. Selbst   raxübersicht nach aktuellem Konsens   te, idealerweise interdisziplinär im
          deutlich erhöhte IgG-Konzentrationen   als verzichtbar. In der hochauflösenden   Rahmen eines Interstitielle-Lungen er-
          sind für das Vorliegen einer EAA allein   Computertomographie (HR-CT) können   krankungen(ILD)-Boards.


          Tabelle 1. Diagnosekriterien für die akute bzw. nichtfibrotische EAA (modifiziert nach [1,2]):
           1. Exposition gegen eine potenzielle Allergenquelle
           2. Rezidivierende Symptomepisoden, beginnend vier bis acht Stunden nach der Exposition
           3. Erhöhte spezifische IgG-Antikörper-Titer gegen ein potenzielles Antigen
           4. Nachweis von inspiratorischem Knisterrasseln bei der klinischen Untersuchung
           5. HR-CT-Befund vereinbar mit einem inflammatorischen BIP-Muster (früher EAA-Muster)

           Bei Vorliegen dieser fünf Kriterien ist die sichere Diagnose einer akuten EAA gestellt. Falls nicht alle diese Kriterien vorliegen,
           können ersatzweise die nachfolgenden invasiven Kriterien verwendet werden:
           6. Nachweis einer Lymphozytose (> 30 %) in der bronchoalveolären Lavage
           7. Histopathologischer Befund einer Lungengewebsprobe, typisch oder wahrscheinlich für ein akutes bzw. nichtfibrotisches
             BIP-Muster (früher EAA-Muster)
           8. Positiver inhalativer Provokationstest/Re-Expositionstest bzw. positiver Karenztest




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