Page 25 - Ärzteblatt Thüringen, Juli/August 2026
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          führen zu einer immunologischen Sensi-  und  Wespengiftallergie“  empfiehlt,  bei   Im Laufe der Zeit haben sich die metho-
          bilisierung. Bei erneutem Kontakt mit   systemischen Reaktionen eine allergolo-  dischen Ansätze zur sIgE-Bestimmung
          dem entsprechenden Gift kommt es zur   gische Diagnostik einzuleiten, und ver-  erheblich weiterentwickelt. Von den
          Kreuzvernetzung der membrangebun-  weist auf eine klare Indikationsstellung   frühen radioimmunologischen Verfahren
          denen IgE-Moleküle. Dies führt zu einer   für  spezifische  Labortests.  Sind  allergi-  wie  dem  Radioallergosorbent-Test
          Degranulierung der Zellen mit massiver   sche Allgemeinreaktionen nach Hymeno-  (RAST) über enzymbasierte Festpha-
          Freisetzung von vasoaktiven Mediatoren   pterenstichen nicht belegt, sollte keine   sen-Immunoassays bis hin zu hochsen-
          (z.  B.  von Histamin),  gefolgt  von  einer   weiterführende Diagnostik erfolgen.  sitiven Fluoreszenz-Enzymimmunoas-
          Neusynthese von Leukotrienen, Prosta-                                says mit Carrier-Polymer-Technologie
          glandinen  und  Zytokinen.  Die resultie-  Basismethoden der Allergie-  wurden kontinuierlich Verbesserungen
          renden Effekte umfassen Vasodilatati-  diagnostik                    hinsichtlich Sensitivität, Spezifität, Stan-
          on, erhöhte Gefäßpermeabilität, Bron-                                dardisierung und Arbeitssicherheit er-
          chokonstriktion und Schleimsekretion,   Serologische IgE-Bestimmung   zielt.
          was klinisch zu Urtikaria, Angioödemen,   Der Gesamt-IgE-Wert liefert lediglich   Tabelle 1 stellt die wichtigsten Metho-
          Bronchospasmus bis hin zur systemi-  eine Information über die Konzentration   den  zur  Bestimmung  spezifischer  IgE-
          schen Anaphylaxie führen kann. Die Re-  aller IgE-Antikörper im Serum und ist   Antikörper bei Insektengiftallergie ver-
          aktion tritt typischerweise innerhalb von   daher für die Beurteilung einer konkre-  gleichend dar. Dabei werden methodi-
          Minuten  auf und  entspricht damit  der   ten Allergie wenig aussagekräftig, wes-  sches Prinzip, Vorteile, Limitationen so-
          klassischen Allergie vom Soforttyp.  halb das Gesamt-IgE in aktuellen Leitli-  wie ihre heutige diagnostische Relevanz
          In der Literatur werden jedoch auch ex-  nien nicht als diagnostisch entscheidend   einander gegenübergestellt.
          trem seltene, nicht-Typ-I-assoziierte   bewertet wird.  Die Quantifizierung  von
          Verlaufsformen beschrieben. Dazu zäh-  spezifischen IgE-Antikörpern (sIgE), die   Molekulare Diagnostik – Component-
          len toxische Organschädigungen nach   sich gegen Hymenopterengifte richten,   Resolved Diagnostics (CRD)
          multiplen Stichen (direkte Giftwirkung)   ist hingegen  zentraler  Bestandteil der   Wesentliche Fortschritte konnten in den
          sowie verzögert einsetzende immunolo-  initialen Labordiagnostik. Sie kann be-  letzten Jahren durch den Einsatz der
          gisch vermittelte Manifestationen. Diese   reits im Akutstadium erfolgen, sollte   komponentenbasierten  Diagnostik
          umfassen unter anderem neurologische   aber idealerweise vier bis sechs Wochen   (CRD) erzielt werden. Der Grundgedanke
          Syndrome, renale Komplikationen, Vas-  nach dem Stichereignis wiederholt wer-  ist hierbei, dass Insektengifte Mischun-
          kulitiden oder hämatologische Verände-  den, da sIgE-Konzentrationen unmittel-  gen  verschiedener  Allergene  (Kompo-
          rungen.  Pathophysiologisch  werden   bar nach dem Stich (< 2 Wochen) falsch   nenten) sind – manche kommen sowohl
          hierbei Mechanismen diskutiert, die   negativ sein können.           in Bienengift als auch Wespengift vor
          eher Typ-II- (antikörpervermittelt zyto-  ■  Standardmäßig werden zur Bestim-  (Kreuzreaktion), andere Komponenten
          toxisch), Typ-III- (Immunkomplex-ver-  mung des sIgE Gesamtextrakte von   kommen ausschließlich im Bienen- oder
          mittelt)  oder Typ-IV-Reaktionen (zell-  Bienen- und Wespengift verwendet.  Wespengift vor. Wieder andere Kompo-
          vermittelt) im Sinne der Coombs-und-  ■  Bis zu 40–50 Prozent der Patienten   nenten aus dem Insektengift bewirken
          Gell-Klassifikation  entsprechen,  ohne   zeigen  positive  IgE-Reaktionen auf   zwar eine Testpositivität, sind aber von
          dass eine primär IgE-vermittelte Mast-  mehrere Giftextrakte – was die Iden-  geringer  klinischer  Relevanz. Bei der
          zellaktivierung im Vordergrund steht.  tifikation des der allergischen Reakti-  komponentenbasierten Diagnostik wer-
          Die Labordiagnostik kann an unter-   on zugrunde liegenden Insektengifts   den IgE-Antikörper quantifiziert, die sich
          schiedlichen Ebenen dieses pathophy-  erschwert.                     gegen einzelne, definierte Allergenkom-
          siologischen Prozesses eingesetzt wer-  Die spezifische IgE-Messung allein sagt   ponenten richten. Die CRD verbessert
          den:                              allerdings nicht zuverlässig die Schwere   die diagnostische Spezifität und ermög-
          ■  Nachweis  allergenspezifischer  IgE-  einer zukünftigen Reaktion voraus, da   licht es, bei doppelpositiven Messergeb-
            Antikörper                      die sIgE-Konzentrationen nicht linear   nissen gegenüber nativem Bienen-/
          ■  Identifikation einzelner Allergenkom-  mit der Schwere des klinischen Phäno-  Wespengift dazu beizutragen,  die kli-
            ponenten                        typs korrelieren.                  nisch relevante Sensibilisierung zu iden-
          ■  Funktionelle Testung der Zellaktivie-  Der positive Nachweis von IgE-Antikör-  tifizieren.
            rung                            pern ohne klinische Symptome wird als   Beispiele für relevante molekulare Aller-
          ■  Bestimmung von Risikomarkern (z. B.   Sensibilisierung bezeichnet, nicht als   gene, die eine Unterscheidung zwischen
            Serumtryptase)                  Allergie! Auch bei Gesunden ohne Ana-  einer Bienen- und Wespengiftallergie
                                            mnese von Symptomen, die einer aller-  ermöglichen:
          Testindikation                    gischen  Reaktion  entsprechen,  findet   ■  Bienengift – Apis mellifera: Api m 1
                                            man häufig im Labor messbare IgE-Wer-  (Phospholipase A2), Api m 3 (Saure
          Die aktuelle deutschsprachige S2k-Leitli-  te gegen Allergene (d. h. Sensibilisierun-  Phosphatase), Api m 4 (Melittin), Api
          nie „Diagnose und Therapie der Bienen-   gen) ohne klinische Relevanz.  m 10 (Icarapin)




                                                                               ÄRZTEBL AT T THÜRINGEN • 7-8/2026  25
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