Page 28 - Ärzteblatt Thüringen, Juli/August 2026
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          Differenzialdiagnose und           therapie und Auswahl des passenden   und in Kombination z. B. mit OMICS-Ver-
          Besonderheiten                     Insektengiftes. Zusätzlich beeinflussen   fahren neue Einblicke in Immunantwor-
                                             sie die Verordnung von Notfallsets (Ad-  ten ermöglichen. Diese Ansätze könnten
          Kreuzreaktionen und CCDs           renalin-Autoinjektor,  Antihistaminika,  die  diagnostische  Genauigkeit verbes-
          Die Kreuzreaktionen zwischen verschie-  Kortikosteroide) sowie edukative Maß-  sern und personalisierte Therapien, ins-
          denen Insektengiften sind häufig, insbe-  nahmen zur Vermeidung erneuter Stiche.  besondere bei der Allergenimmunthera-
          sondere zwischen Biene und Wespe,                                     pie, ermöglichen, erfordern jedoch noch
          was zu scheinbaren Doppelpositivitäten   Ausblick: Mögliche Integration   die Bewältigung einer Vielzahl von Her-
          in IgE-Tests führen kann. Ein signifikan-  künstlicher Intelligenz in die Aller-  ausforderungen wie Datenintegration,
          ter Anteil dieser Befunde beruht auf   giediagnostik                  Validierung und klinische Umsetzung.
          CCDs, die klinisch irrelevant sein können.
          CRD mit CCD-freien Allergenen kann hel-  Künstliche Intelligenz (KI) und maschi-  Schlussbemerkung
          fen,  diese  Kreuzreaktionen  von  echten   nelles Lernen (ML) werden zunehmend
          Sensibilisierungen zu unterscheiden.  propagiert, um komplexe biologische und   Die Diagnostik der Insektengiftallergie
                                             klinische Daten zu interpretieren und di-  ist in den letzten Jahren deutlich diffe-
          Zeitpunkt der Diagnostik           agnostische  Entscheidungen  zu  unter-  renzierter geworden. Durch den Einsatz
          Tests unmittelbar nach dem Stichereig-  stützen, sind aber, wegen der hiermit im   der molekularen Diagnostik, kombinier-
          nis können falsch negativ sein. Eine Wie-  Vergleich zur konventionellen Diagnostik   ter serologischer und zellulärer In-vitro-
          derholung nach vier bis sechs Wochen   noch ungeklärten Vorgehensweise, zur   Tests sowie ergänzender Marker wie
          ist daher empfohlen, insbesondere   Validierung dieser Verfahren noch nicht   z. B. der Serumtryptase kann heute eine
          wenn der klinische Verdacht hoch ist.   in der Routinediagnostik etabliert. In ei-  differenzierte, evidenzbasierte Diagnos-
                                             ner vor Kurzem erschienenen Über-  tik, in der Zusammenschau und vor dem
          Bedeutung für die Therapie         sichtsarbeit von Fazlali et al. wird disku-  Hintergrund der klinischen Symptoma-
                                             tiert, wie künstliche Intelligenz und Next-  tik, erfolgen. Diese ist nicht nur diagnos-
          Die diagnostischen Ergebnisse sind nicht   Generation-Sequencing die Allergiediag-  tisch in Bezug auf die Identifikation des
          nur für die Bestätigung der Sensibilisie-  nostik und -therapie unterstützen könn-  der  Überempfindlichkeit  zugrunde  lie-
          rung wichtig, sondern bestimmen auch   ten, indem Machine-Learning-Modelle   genden Allergens wertvoll, sondern bil-
          die Indikation zur spezifischen Immun-  komplexe molekulare Muster erkennen   det auch die Grundlage für eine ursa-
                                                                                chenorientierte, sichere und effektive
                                                                                therapeutische Intervention einschließ-
                                                                                lich  der  spezifischen  Immuntherapie.
                                                                                Die Kombination aus molekularer Diag-
                                                                                nostik und KI-gestützten Analysealgo-
                                                                                rithmen könnte, bei entsprechender Va-
                                                                                lidierung dieser neuen Verfahren, mögli-
                                                                                cherweise die Zukunft der Insekten-
                                                                                giftallergie-Diagnostik erweitern.

                                                                                Literatur bei den Verfassern.
                                                                                Verena Eckardt
                                                                                Institut für Klinische Chemie und
                                                                                Laboratoriumsdiagnostik
                                                                                Universitätsklinikum Jena

                                                                                Dr. med. Jörg Tittelbach
                                                                                Klinik für Hautkrankheiten
                                                                                Universitätsklinikum Jena
                                                                                E-Mail: joerg.tittelbach@med.uni-jena.de

                                                                                PD Dr. med. Dr. rer. nat. Michael Kiehntopf
                                          Abb. 2. Potenzieller zukünftiger Weg von der   Institut für Klinische Chemie und
                                          klinischen Präsentation bis zur personalisierten   Laboratoriumsdiagnostik
                                          Therapie bei Insektengiftallergie unter Einbezie-  Universitätsklinikum Jena
                                          hung moderner molekularer und datenbasierter   Am Klinikum 1, 07747 Jena
                                          Verfahren.                            E-Mail: michael.kiehntopf@med.uni-jena.de




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