Page 27 - Ärzteblatt Thüringen, Juli/August 2026
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kation von Mastozytosen relevant. Sie Zelluläre Assays (Basophilenaktivie- stimmung bei Wespengiftallergien. Ein
soll bei allen Patienten mit systemi- rungstest, BAT) Problem stellen „Non-Responder“ dar,
schen Reaktionen (Ring und Messmer ≥ Der basophile Granulozyt hat auf seiner denn etwa 10 bis 15 Prozent der Pati-
II) bestimmt werden. Hierbei gilt es Oberfläche, genau wie die Mastzelle, enten zeigen keine Basophilenaktivie-
aber zu beachten, dass die Tryptase nur IgE-Bindungsstellen. IgE-vermittelte rung (weder CD63 noch CD203c) auf
bei einem Teil der Patienten erhöht sein Allergenbindung führt zur Aktivierung Allergen-Stimuli oder positive Kontrol-
kann, auch bei anderen Ursachen der und Degranulation. Während die Mast- len (Anti-IgE/FcεRI). Dies ist mögli-
Mastzellaktivierung ansteigt und dass zelle sich gewebsständig aufhält, ist cherweise auf individuelle Unterschie-
Normwerte eine Anaphylaxie nicht si- der basophile Granulozyt das im Blut de in den intrazellulären Signalwegen
cher ausschließen. Dies führt zu einer zirkulierende Pendant. Der BAT ist ein zurückzuführen.
erheblichen diagnostischen Unsicher- funktioneller zellulärer Antigenstimula-
heit – insbesondere bei atypischen Ver- tionstest (CAST), bei dem in vitro nach Algorithmus in der Praxis
läufen. Bei Vorhandensein eines dauer- Allergenexposition seine Aktivierung
haft erhöhten Wertes (> 20 µg/l) ist eine durch gesteigerte Expression von CD63 Ein praktikabler diagnostischer Algorith-
weitere Abklärung auf Vorliegen einer oder CD203c auf der Zelloberfläche mus umfasst:
Mastozytose erforderlich, da diese Er- mittels Durchflusszytometrie gemes-
krankung per se ein Risikofaktor für sen wird. Er kann unterstützend bei un- 1. Anamnese und klinische Bewertung
schwere Anaphylaxien ist. Im Rahmen klaren Fällen oder diskordanten Befun- des Stichereignisses
der Untersuchung von Patienten mit den zwischen Haut- und Serologietests 2. Erste sIgE-Bestimmung gegen Bie-
Überempfindlichkeitsreaktionen auf eingesetzt werden, insbesondere wenn nen- und Wespengift
Hymenopterengifte (203 Patienten Mül- CRD und klassische Diagnostik unein- 3. Bestimmung der basalen Serumtryp-
ler Grad III/IV und 162 Patienten Mül- deutige Ergebnisse liefern. Vorteile sind tase
ler Grad I/II) konnte gezeigt werden, u. a. der sensitivere Nachweis einer 4. Bei positiven oder unklaren Befun-
dass Patienten mit Grad III/IV signifi- IgE-vermittelten Reaktion bei negati- den: komponentenbasierte Diagnos-
kant höhere bST-Werte als Patienten vem Hauttest, der im Vergleich zum tik (CRD)
mit Grad-I/II-Reaktionen aufweisen, CAP-Inhibitionstest besseren Identifi- 5. Gegebenenfalls ergänzende Haut-
wobei ein Anstieg der Tryptase um 1 µg/l kation des relevanten Insektengifts bei tests bei uneindeutiger In-vitro-Diag-
mit einer 46-Prozent-Zunahme der Doppelsensibilisierung und die verbes- nostik
Chance von Reaktionen des Grades III serte diagnostische Leistungsfähigkeit 6. Anwendung des BAT bei diagnosti-
und IV nach Müller einherging. im Vergleich zur spezifischen sIgE-Be- schen Unsicherheiten
Abb. 1. Diagnostischer Algorithmus modifiziert nach „Diagnosis and treatment of Hymenoptera venom allergy“ von Franziska Ruëff, 2023,
doi: 10.5414/ALX02430E
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