Page 29 - Ärzteblatt Thüringen, Juli/August 2026
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S CH W E R PU NK T




          Nahrungsmittelallergien –

          Trends, Diagnostik und Therapien



          Natalie Beiersdorf, Michael Lorenz



          Einleitung                        rungsmittelallergie  durch  spezifische
                                            IgE-Antikörper ausgelöst werden, lie-
          Nahrungsmittelallergien stellen eine zu-  gen nicht-IgE-vermittelten Erkrankun-
          nehmend relevante Erkrankungsgruppe   gen wie dem FPIES (Food Protein Indu-
          dar und betreffen sowohl Kinder als   ced Enterocolitis Syndrome) oder der
          auch Erwachsene. Sie sind mit bedeut-  allergischen Proktokolitis andere immu-  Dr. Natalie Beiersdorf
          samen Einschränkungen der Lebens-  nologische Mechanismen zugrunde. Da-
          qualität, einem nicht unerheblichen Ri-  neben existieren Mischformen wie die
          siko schwerer systemischer Reaktionen   atopische Dermatitis oder die eosino-
          sowie diagnostischen und therapeuti-  phile Ösophagitis, bei denen sowohl
          schen Herausforderungen verbunden.   IgE-vermittelte als auch nicht-IgE-ver-
          Gleichzeitig besteht eine ausgeprägte   mittelte Pathomechanismen eine Rolle
          Diskrepanz zwischen subjektiv wahrge-  spielen können (Abbildung 1).
          nommener und objektiv gesicherter
          Nahrungsmittelallergie, was zu Überdi-  Ziel dieses Übersichtsartikels ist es, ei-
          agnostik, unnötigen Eliminationsdiäten   nen strukturierten, praxisnahen Über-
          und psychosozialen Belastungen führen   blick über Epidemiologie, klinische
          kann.                             Symptomatik, Diagnostik und Therapie-
          Prinzipiell lassen sich IgE-vermittelte   optionen von IgE-vermittelten Nah-
          von nicht-IgE-vermittelten Nahrungs-  rungsmittelallergien zu geben. Nicht-
          mittelallergien unterscheiden. Während   IgE-vermittelte Nahrungsmittelallergien   Michael Lorenz
          IgE-vermittelte Reaktionen wie Anaphy-  sowie  Mischformen  werden  in  diesem
          laxie oder die pollenassoziierte Nah-  Artikel nicht behandelt.
                                                                               Epidemiologie

                                                                               Epidemiologische Daten weisen welt-
                                                                               weit  auf  eine  steigende  Prävalenz  von
                                                                               Nahrungsmittelallergien hin, insbeson-
                                                                               dere in Industrienationen. Zugleich sind
                                                                               selbstberichtete Raten deutlich höher
                                                                               als durch klinische Evaluation und stan-
                                                                               dardisierte Diagnostik (einschließlich
                                                                               oraler Provokation) bestätigte Prävalen-
                                                                               zen; je nach Methodik und Altersgruppe
                                                                               resultieren  entsprechend  variable
                                                                               Schätzwerte.
                                                                               Für Deutschland lässt sich die Prävalenz
                                                                               von Nahrungsmittelallergien im Kindes-
                                                                               alter auf Grundlage ärztlicher Diagnosen
                                                                               und oraler Nahrungsmittelprovokations-
                                                                               tests am zuverlässigsten auf zwei bis
                                                                               drei Prozent schätzen; elternberichtete
                                                                               Symptome liegen deutlich höher (bei
                                                                               Säuglingen etwa 13 bis 14 Prozent), wer-
                                                                               den jedoch häufig nicht objektiv bestä-
          Abb. 1. Unterscheidung zwischen IgE-vermittelten und nicht-IgE-vermittelten Nahrungsmittel-  tigt. Bei Schulkindern beträgt die durch
          allergien.                                                           Provokationstest bestätigte Prävalenz



                                                                               ÄRZTEBL AT T THÜRINGEN • 7-8/2026  29
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