Page 24 - Ärzteblatt Thüringen, Juli/August 2026
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Labordiagnostik der Insekten-
giftallergie – praxisrelevante
Aspekte
Verena Eckardt, Jörg Tittelbach, Michael Kiehntopf
en zusammen und ordnet deren klini-
sche Bedeutung im Kontext aktueller
Leitlinien ein.
Verena Eckardt
Einleitung
Grundsätzlich sollte die Diagnostik aus-
schließlich bei Patienten mit Verdacht
auf eine IgE-vermittelte systemische
Reaktion nach einer durch Insektensti-
che erfolgten Exposition mit Insekten-
gift erfolgen. Hierbei rechtfertigen reine
lokale Überreaktionen ohne systemi-
sche Beteiligung im Regelfall keine wei-
terführenden Allergietests, um unnötige
Diagnostik und Fehldiagnosen zu ver-
Zusammenfassung meiden.
Geeignete Fragestellungen in der Anam-
Insektengiftallergien zählen zu den häu- nese umfassen: Dr. Jörg Tittelbach
figen Ursachen systemischer allergi- ■ Zeitpunkt, Verlauf und Ausmaß der
scher Reaktionen und können lebensbe- Reaktion
drohliche Anaphylaxien auslösen. Ursa- ■ Symptome jenseits der Einstichstelle
che sind IgE-vermittelte Überempfind- ■ Hinweise auf Atemwegs-, Kreislauf-
lichkeitsreaktionen auf Hymenopteren- oder Hautmanifestationen
gifte, am häufigsten von der Honigbiene ■ Frühere Stichreaktionen, Begleiter-
(Apis mellifera) und von Faltenwespen krankungen (z. B. Asthma) und Risi-
(Vespula-Arten), zu denen die Echten kofaktoren wie Mastzellerkrankun-
Wespen (Vespinae) wie z. B. Kurzkopf- gen
wespen – V. vulgaris, V. germanica – und Die Schwere der Reaktion wird häufig
die Feldwespen (Polistinae), z. B. die nach der Klassifikation von Ring und
Haus-Feldwespe Polistes dominula, Messmer (Fokus auf systemische Organ-
zählen. Neben der klinischen Anamnese beteiligung) oder nach Müller und Mos-
spielt die Labordiagnostik eine zentrale bech (Fokus eher auf klinischer Progres-
Rolle beim Nachweis einer klinisch rele- sion) eingeteilt, da sie klinisch gut hand- PD Dr. Dr. Michael Kiehntopf
vanten Sensibilisierung, der Differenzie- habbar sind und diagnostische/thera-
rung zwischen Kreuzreaktivität und ech- peutische Entscheidungen beeinflussen.
ter Doppelsensibilisierung sowie für die zur Aktivierung antigenpräsentierender
Indikationsstellung und Planung einer Immunologische Grundlagen Zellen und zur Differenzierung naiver T-
spezifischen Immuntherapie. Neben Zellen in Th2-Zellen. Die resultierende
dem Nachweis spezifischer IgE-Antikör- Die Insektengiftallergie ist in der Regel Zytokinantwort (v. a. IL-4, IL-13) indu-
per gegen Insektengiftextrakte haben eine durch allergenspezifisches Immun- ziert in den B-Zellen einen Klassen-
molekulare Verfahren wie die kompo- globulin E (IgE) vermittelte Typ-I-Aller- wechsel mit Produktion allergenspezifi-
nentenbasierte Diagnostik an Bedeu- gie nach Coombs und Gell. Im Rahmen scher IgE-Antikörper. Diese binden an
tung gewonnen. Dieser Beitrag fasst die der Sensibilisierungsphase führt der hochaffine FcεRI-Rezeptoren auf Mast-
aktuellen labordiagnostischen Strategi- Erstkontakt mit Insektengiftallergenen zellen und basophilen Granulozyten und
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