Page 38 - Ärzteblatt Thüringen, Juli/August 2026
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          tionen ist eine umgehende Reaktion er-  mus oder Dyspnoe sowie Kreislaufsym-  men  und  dürfen die  Adrenalingabe
          forderlich. Eine Übersicht typischer Red-  ptome wie Hypotonie und Tachykardie.   nicht verzögern.
          Flag-Konstellationen  mit  Leitsympto-  Gastrointestinale Symptome wie Erbre-
          men,  Latenz  und  häufigen  Auslösern   chen oder Defäkation können hinzu-  Nadelfreie Option im deutschen
          findet sich in Abbildung 1.        kommen.                            Kontext:
                                             Die Anaphylaxie ist eine klinische Diag-  Seit 2025 ist in Deutschland Epinephrin
                                             nose. Bei Beteiligung mehrerer Organ-  zur intranasalen Gabe zur Notfallbe-
            Merke                            systeme oder bei Atemwegs- bzw.    handlung der Anaphylaxie zugelassen
                                             Kreislaufsymptomen ist von einer Ana-  (zum Zeitpunkt der Manuskripterstel-
            Bei Red Flags ist das auslösende   phylaxie auszugehen und diese ent-  lung für Erwachsene und Kinder mit ei-
            Medikament sofort abzusetzen     sprechend zu behandeln.            nem Körpergewicht von mindestens 30
            und eine stationäre Abklärung                                       kg). Die besondere Bedeutung dieser
            einzuleiten.                     Akutes Vorgehen:                   Applikationsform liegt vor allem im Be-
                                             Adrenalin ist die Therapie der ersten   reich der Selbst- und Laienanwendung,
                                             Wahl und soll ohne Verzögerung verab-  etwa als Bestandteil eines Notfallsets
          Soforttyp-Reaktionen:              reicht werden, leitliniengemäß primär   bei bekannter Anaphylaxie. Sie kann
          Fokus Anaphylaxie                  intramuskulär. Ergänzend erfolgen die   insbesondere dann sinnvoll sein, wenn
                                             Sicherung von Atemwegen, Atmung    Betroffene oder Angehörige sich eine
          Soforttyp-Reaktionen treten rasch nach   und Kreislauf, Sauerstoffgabe, Volu-  Injektion nicht zutrauen oder diese ver-
          Medikamentengabe auf. Klinisch domi-  mentherapie sowie gegebenenfalls die   zögert anwenden würden.
          nieren Hautsymptome wie Flush, Juck-  inhalative Verabreichung von Beta-2-  Für das ärztliche Akutmanagement
          reiz, Urtikaria oder Angioödeme, Atem-  Mimetika. Antihistaminika  und Gluko-  bleibt die intramuskuläre Gabe von Ad-
          wegsmanifestationen mit Bronchospas-  kortikosteroide sind additive Maßnah-  renalin der Standard. Entscheidend ist



           Arzneimittelreaktion     Leitsymptome              Typische Latenz          Typische Auslöser






           Anaphyla ie               ypotonie   achykardie     inuten bis meist     h   etalaktamantibiotika
                                    Dyspnoe  generalisierte                             etamizol
                                     rtikaria oder                                     R ntgenkontrastmittel
                                    Angio dem                                           uskelrela anzien
                                     rbrechen Defäkation


           A     Akute              akut einsetzendes         meist      age           Aminopenicilline
           Generalisierte            rythem mit zahlreichen                             akrolide   hinolone
           E anthematische          nicht follikulären  usteln                         Sulfonamide
           Pustolose                 ieber                                              ydro ychloro uin


           DR SS  Drug Reaction       anthem   ieber          häufig      ochen        Allopurinol
            ith Eosinophilia and     esichts dem                                       Antiepileptika
           Systemic Symptoms -       osinophilie                                       Sulfonamide  Dapson
           Syndrom                   rganbeteiligung                                   Abacavir


           S S  Stevens-Johnson-    Schleimhauterosionen      häufig      ochen        Antiepileptika
           Syndrom    N              lasenbildung                                      Sulfonamide
            To ische Epidermale     ausgeprägter                                       Allopurinol  Nevirapin
           Nekrolyse                 autschmerz                                          icame


          Abb. 1. Warnzeichen schwerer Arzneimittelreaktionen (Red Flags).



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