Page 36 - Ärzteblatt Thüringen, Juli/August 2026
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          eignisse (bis hin zu Adrenalinbedarf),   hoffentlich auch eine Zulassung durch   tendiagnostik bis zur oralen Provokation
          potenziell eosinophile Ösophagitis so-  die europäischen Zulassungsbehörden   als  Goldstandard  – ist essenziell, um
          wie die Notwendigkeit einer langfristi-  erfolgen wird.               klinisch relevante Allergien von bloßen
          gen Erhaltungsaufnahme zur Stabilisie-  Ergänzend werden alternative Immun-  Sensibilisierungen abzugrenzen und un-
          rung der Desensibilisierung limitiert.   therapie-Routen (epikutane Immunthe-  nötige Eliminationsdiäten zu vermeiden.
          Palforzia® ist derzeit noch in Deutsch-  rapie (EPIT)/sublinguale Immuntherapie   Zur standardisierten Schweregradbeur-
          land verfügbar, aber es gibt eine wichti-  (SLIT) mit meist günstigerem Sicher-  teilung steht mit dem DEFASE-Score
          ge Ankündigung: Stallergenes Greer   heitsprofil bei geringerer Effektstärke als   erstmals ein validiertes Instrument zur
          wird die Vermarktung von Palforzia® am   OIT) sowie weitere Biologika-Strategien   Verfügung, das  neben  der  Reaktions-
          31. Juli 2026 weltweit einstellen. Diese   (z. B. Anti-IL-4Rα/Dupilumab, Anti-IL-33,   schwere auch Lebensqualität und Aus-
          Entscheidung gilt global und betrifft da-  weitere Anti-IgE-Antikörper) und neuar-  lösedosis berücksichtigt. Therapeutisch
          mit auch Deutschland.              tige Wirkprinzipien (u. a. JAK-1-/BTK-In-  ergänzen zunehmend krankheitsmodifi-
          Als zweites Pharmakon ist Omalizumab   hibitoren, Impfstoff- und Nanopartikel-  zierende Ansätze wie die orale Immun-
          (Anti-IgE) hervorzuheben. Anti-IgE ist   plattformen, IgE-FceRI-Disruptoren) in   therapie und Anti-IgE-Antikörper (Oma-
          seit Februar 2024  zur Reduktion von   klinischen und präklinischen Studien   lizumab) das bisherige Paradigma der
          Typ-I-Reaktionen (inkl. Anaphylaxie)   aktuell untersucht.            reinen Allergenvermeidung, wobei ins-
          bei IgE-vermittelter Nahrungsmittelall-                               besondere Kombinationstherapien viel-
          ergie für Erwachsene und Kinder ab ei-  Zusammenfassung               versprechende Ergebnisse  zeigen. Für
          nem Jahr von der FDA (U.S. Food and                                   die hausärztliche und pädiatrische Pra-
          Drug Administration) zugelassen. Es   Nahrungsmittelallergien  betreffen in   xis bleibt neben der adäquaten Notfall-
          erhöht als Monotherapie die tolerierte   Deutschland etwa zwei bis drei Prozent   ausstattung – einschließlich neuer na-
          Allergenmenge auch bei Mehrfachaller-  der Kinder und 3,7 bis 4,7 Prozent der   delfreier Adrenalinapplikationsformen
          gien und verbessert als Adjunkt zu (Mul-  Erwachsenen, wobei eine erhebliche   – die ernährungsmedizinische Beglei-
          ti-)OIT Sicherheit und Geschwindigkeit   Diskrepanz zwischen selbstberichteten   tung betroffener Patienten ein zentraler
          der Aufdosierung. Damit verschiebt sich   Beschwerden und objektivierbaren Dia-  Bestandteil der Versorgung.
          die Therapie zunehmend von reinem   gnosen besteht. Die klinische Präsenta-
          „Avoidance-Paradigma“ hin zu risikore-  tion unterscheidet sich altersabhängig:   Literatur bei den Verfassern.
          duzierender Schwellenanhebung unter   Im Kindesalter dominieren kutane und
          kontrollierten Bedingungen mit dem   gastrointestinale Symptome  mit  Kuh-  Dr. med. Natalie Beiersdorf
          Ziel der langfristigen Toleranzinduktion.   milch und Hühnerei als häufigsten Aus-  Michael Lorenz
          Es laufen mehrere randomisiert kont-  lösern, während bei Erwachsenen das   Klinik für Kinder- und Jugendmedizin
          rollierte Studien, die die möglichen an-  orale Allergiesyndrom im Rahmen pol-  Universitätsklinikum Jena
          haltenden Effekte für die häufigen Nah-  lenassoziierter Kreuzreaktivitäten im   Am Klinikum 1
          rungsmittel wie Erdnuss, Milch, Ei, Ca-  Vordergrund steht. Eine stufenweise   07747 Jena
          shew und Haselnuss mit diesen Kombi-  Diagnostik – von der strukturierten Ana-  E-Mail: Natalie.Beiersdorf@
          nationstherapien überprüfen,  sodass   mnese über die molekulare Komponen-  med.uni-jena.de

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