Page 39 - Ärzteblatt Thüringen, Juli/August 2026
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in jeder Situation, dass eine wirksame parainfektiöse Exantheme. respiratorischem Phänotyp besteht
Adrenalingabe frühzeitig und ohne Ver- Pathophysiologisch richtet sich die Im- häufig, jedoch nicht obligat, eine Asso-
zögerung erfolgt. munreaktion bei Betalaktam-Überemp- ziation mit chronischer Rhinosinusitis
Die Bestimmung der Serumtryptase findlichkeiten häufig nicht gegen den mit Nasenpolypen und/oder einem
(Akutwert sowie Basiswert im Intervall) Betalaktamring, sondern gegen Seiten- nichtallergischen Asthma.
kann die spätere Einordnung unterstüt- kettenstrukturen, insbesondere die R1- Hauttests sind in diesen Fällen in der
zen, ersetzt jedoch nicht die klinische Seitenkette. Klinisch relevant ist daher Regel negativ und diagnostisch nicht
Diagnosestellung. Für die weiterführen- weniger die Substanzklasse als die Sei- zielführend. Therapeutisch entschei-
de Abklärung ist eine präzise Dokumen- tenketten-Ähnlichkeit. Bei Aminopeni- dend ist die Meidung klassischer, nicht-
tation des Ereignisses entscheidend. cillin-Überempfindlichkeit besteht ein selektiver NSAR mit starker COX-1-
erhöhtes Kreuzreaktionsrisiko insbe- Hemmung, insbesondere Acetylsalicyl-
Verzögerte Reaktionen sondere mit Aminocephalosporinen wie säure, Diclofenac, Ibuprofen und Napro-
(Spättyp) Cefaclor, Cefalexin oder Cefadroxil, xen. Paracetamol als schwacher COX-1-
während Cephalosporine mit anderen Hemmer sowie selektive COX-2-
Makulopapulöse Arzneimittelexanthe- Seitenketten häufig toleriert werden. Hemmer werden von vielen Patientinnen
me treten häufig nach mehreren Tagen Für die klinische Praxis ist dabei ent- und Patienten gut vertragen. Die indivi-
auf und verlaufen in der Regel nicht vital scheidend, zwei Aspekte zusammenzu- duelle Verträglichkeit sollte bei klini-
bedrohlich. Klinisch entscheidend ist denken: Einerseits kann die Berücksich- scher Relevanz mittels kontrollierter
die Abgrenzung zu schweren kutanen tigung der Seitenkettenstruktur helfen, Provokationstestung überprüft werden.
Arzneimittelreaktionen. Warnzeichen sichere Alternativen zu identifizieren. Bei urtikariellen Phänotypen kann sich
sind insbesondere Schleimhautbeteili- Besonders Cefazolin besitzt eine in die- die Reaktionsschwelle im Verlauf än-
gung, ausgeprägter Hautschmerz, Fie- sem Kontext als einzigartig betrachtete dern, sodass eine erneute Überprüfung
ber, Gesichtsödem oder Hinweise auf R1-Seitenkette und wird aus Seitenket- sinnvoll sein kann.
eine Organbeteiligung. ten-Perspektive häufig als gut verträgli- Selektive NSAID-Überempfindlichkei-
Schwere Spättypreaktionen wie Ste- che Option angesehen. Andererseits ten sind immunologisch vermittelt und
vens-Johnson-Syndrom (SJS)/toxische sind Cefazolin und Cefuroxim – bedingt können als Sofort- oder Spättypreaktio-
epidermale Nekrolyse (TEN), DRESS- durch ihre breite Anwendung, etwa in nen auftreten. Besonders gut dokumen-
Syndrom oder akute generalisierte ex- der perioperativen Prophylaxe – in der tiert sind selektive Soforttypreaktionen
anthematische Pustulose (AGEP) sind Versorgungsrealität auch relevante Aus- auf Pyrazolone, insbesondere Metami-
selten, jedoch mit hoher Morbidität und löser von Soforttypreaktionen. Die Aus- zol. Auch Diclofenac ist als Auslöser be-
potenziell auch Mortalität assoziiert. Es wahl alternativer Betalaktame sollte schrieben. Verzögerte selektive Reakti-
handelt sich um eigenständige immuno- daher risikostratifiziert erfolgen und bei onen werden vor allem für Metamizol,
logische Syndrome. Eine erneute Gabe entsprechender Anamnese Bestandteil seltener auch für Paracetamol, berich-
des auslösenden Medikaments ist kont- einer strukturierten allergologischen tet. Charakteristisch ist die meist gute
raindiziert. Erforderlich sind konsequen- Abklärung sein. Verträglichkeit strukturfremder NSAR.
te Meidung, präzise Dokumentation und Eine gezielte Abklärung ermöglicht häu- Die klinische Einordnung der NSAID-
in der Regel eine unmittelbare, stationä- fig die Rückkehr zu einer leitlinienge- Überempfindlichkeit und das daraus
re, interdisziplinäre Behandlung. rechten Standardtherapie und vermei- resultierende Vorgehen sind in Abbil-
det unnötige Ausweichantibiotika. dung 2 dargestellt.
Klinisch besonders relevante
Beispiele für Arzneimittelüber- NSAID-Überempfindlichkeit – Lokalanästhetika-Überempfindlichkeit
empfindlichkeiten Klasseneffekt oder Einzelstoffallergie? – meist keine echte Allergie
Überempfindlichkeitsreaktionen auf Echte allergische Reaktionen auf Lokal-
Betalaktam-Überempfindlichkeit – nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) anästhetika sind selten. Häufiger sind
häufig angegeben, differenziert treten häufig auf. Für die klinische Ein- vasovagale Reaktionen, Angst- oder
zu bewerten ordnung ist die Unterscheidung zwi- Schmerzreaktionen sowie adrenerge
Betalaktamantibiotika sind die am häu- schen kreuzreaktiven und selektiven Effekte durch Adrenalinzusätze. Zwi-
figsten genannten Auslöser vermeintli- Reaktionen zentral. schen Lokalanästhetika vom Amid- und
cher Arzneimittelallergien. Durch spezi- Kreuzreaktive Formen beruhen auf ei- vom Ester-Typ besteht keine Kreuzreak-
alisierte allergologische Abklärungen ner COX-1-abhängigen, nichtallergi- tivität.
lässt sich jedoch in einem großen Teil schen, pharmakologisch vermittelten Eine strukturierte Abklärung ist sinnvoll,
der als „Penicillinallergie“ bezeichneten Reaktion. Klinisch dominieren entweder da ein unzutreffendes Allergielabel häu-
Fälle keine klinisch relevante immuno- kutane Symptome wie Urtikaria oder fig zu unnötigen Einschränkungen bei
logische Überempfindlichkeit bestäti- Angioödeme oder respiratorische Be- diagnostischen oder chirurgischen Ein-
gen. Häufige Differenzialdiagnosen sind schwerden mit Bronchospasmus. Bei griffen führt.
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