Page 35 - Ärzteblatt Thüringen, Juli/August 2026
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S CH W E R PU NK T





          tome bei diesen Kreuzreaktionen meist                                Medikamentös steht unverändert die
          auf das orale Allergiesyndrom (OAS) mit   Merksatz                   Akut-/Notfalltherapie der Anaphylaxie
          lokalem Juckreiz oder Schwellungen im                                im Vordergrund (Adrenalin i. m. als ent-
          Mund-Rachen-Raum, während schwere    Eine Allergie wird diagnostiziert,   scheidende Erstmaßnahme bei respira-
          systemische Reaktionen selten sind.   wenn charakteristische Sympto-  torischen/kardiovaskulären  Zeichen;
          Die Identifizierung einer PR10-Sensibi-  me im Zusammenhang mit einem   adjuvant je nach Klinik Volumen, inhala-
          lisierung mittels Komponentendiagnos-  bestimmten Allergen auftreten   tive Bronchodilatatoren, Antihistamini-
          tik kann somit in ausgewählten Fällen   und durch Allergietests bestätigt   ka und Glukokortikosteroide). Als nadel-
          zur Risikostratifizierung beitragen, ins-  werden.                   freie Alternative zum Autoinjektor steht
          besondere  bei  Allergien gegen Nüsse                                inzwischen intranasales Epinephrin/
          und Hülsenfrüchte.                                                   Adrenalin als Nasenspray (z. B. neffy®/
          Der Goldstandard der Diagnostik bleibt   Therapie und Management     EURneffy®)  zur  Notfallbehandlung
          die orale Nahrungsmittelprovokation.                                 schwerer  Typ-I-Reaktionen  inkl. Ana-
          Sie ist jedoch zeit- und  ressourcenin-  Therapeutisch bleibt bei gesicherter   phylaxie (je nach Region für Erwachse-
          tensiv, mit Risiken verbunden und zu-  Nahrungsmittelallergie das strukturier-  ne und Kinder ab ≥ 30 kg; > 12 Jahre)
          nehmend limitiert verfügbar. Sie ist un-  te  Langzeitmanagement mit gezielter   zur Verfügung und könnte durch niedri-
          erlässlich, um  die klinische  Relevanz   Allergenvermeidung (inkl. ernährungs-  gere Anwendungshürden eine frühzeiti-
          einer Sensibilisierung zu bestätigen   medizinisch begleitetem Ersatz) zentral;   gere Adrenalingabe im Alltag begünsti-
          oder eine vermutete Allergie auszu-  eine „Heilung“ im Sinne dauerhafter To-  gen, ersetzt jedoch nicht die Empfeh-
          schließen. Bei Kindern ist zudem auf   leranz ist mit den derzeit verfügbaren   lung zur sofortigen notfallmedizinischen
          bislang wenig beachtete Reaktionen wie   Ansätzen in der Regel nicht immer er-  Abklärung und engmaschigen Überwa-
          den imperativen Schlafzwang zu ach-  reichbar, sodass Maßnahmen zur Ver-  chung nach Applikation (Tabelle 4).
          ten, der unmittelbar nach einer Provo-  meidung akzidenteller Exposition und
          kation auftreten kann. Zur umfassenden   zur Notfallprävention weiterhin obligat   Darüber hinaus hat sich das Feld der
          Beurteilung sollte zudem der Schwere-  sind. Bei Kindern ist eine ernährungs-  krankheitsmodifizierenden  Therapien
          grad nach den DEFASE-Kriterien heran-  medizinische Begleitung essenziell, da   deutlich erweitert: Für die Erdnussaller-
          gezogen werden. Eine präzise Diagnos-  Eliminationsdiäten mit einem Risiko für   gie  war mit Palforzia® eine standardi-
          tik ist somit die Voraussetzung für eine   Mangelernährung und  Wachstumsstö-  sierte  orale  Immuntherapie  (OIT)  ver-
          gezielte Therapie und die Vermeidung   rungen einhergehen können, insbeson-  fügbar. OIT kann die Reaktionsschwelle
          von Mangelernährung durch zu breit an-  dere bei Kuhmilchallergie oder multip-  relevant anheben, ist jedoch durch häu-
          gelegte Eliminationsdiäten.       len Allergien.                     fige therapieassoziierte allergische Er-





          Tabelle 4. Dreiteiliges Anaphylaxie-Set; Dunkelblau – obligate Bestandteile; Hellblau – fakultative Bestandteile

































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