Page 52 - Ärzteblatt Thüringen, Mai 2026
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Personalia
            F O RU M





          Eine leidenschaftliche Lehrerin    besondere der psychosomatischen Eva-  Familie einer Enkelin.
                                             luation  im  Kontext  der  Lebendorgan-  Sie war auch eine leidenschaftliche Le-
          Margit Venner war eine leidenschaftli-  spende und war auch hier durch Vorträ-  serin. Außer Karl May liebte sie Krimi-
          che Lehrerin und sehr engagiert in der   ge und Veröffentlichungen präsent. Ihre   nalromane, Biographisches und Histori-
          Aus-, Weiter- und Fortbildung von Medi-  umfangreiche  gruppentherapeutische   sches. Ihre Reisen haben sie bis nach
          zinstudierenden,  von  Ärzten  und  Psy-  Erfahrung  brachte  sie  in  die  Selbster-  Afrika  geführt,  dem  Kontinent  ihrer
          chologen. Sie verstand es meisterhaft,   fahrungsgruppen ein, die sie über viele   Sehnsucht, fast wie das verlorene Para-
          psychogenetische  Zusammenhänge  in   Jahrzehnte leitete. Dabei begleitete sie   dies.
          verständlicher  Sprache  zu  vermitteln   einzelne Gruppen oft über mehrere Jah-  Wir verlieren mit Margit Venner eine au-
          und  mit  interessanten  Beispielen  aus   re hinweg – nicht orientiert an formalen   ßergewöhnliche  Persönlichkeit:  klar,
          ihrem  reichen  klinischen  Erfahrungs-  Vorgaben,  sondern  an  den  Entwick-  standhaft  und  zugleich  von  großer
          schatz zu veranschaulichen. Sie hat vie-  lungsbedürfnissen der jeweiligen Grup-  menschlicher Wärme. Sie konnte streit-
          le Ärzte aller Fachgebiete in unzähligen   penmitglieder. Ihre Gruppenleitung war   bar sein, wenn es ihr um das Wesentli-
          Kursen und Balintgruppen für die psy-  geprägt  von  Respekt,  Verlässlichkeit   che ging, und blieb doch den Menschen
          chosomatische Denkweise in der Medi-  und einem tiefen Vertrauen in die Ent-  zugewandt.  Ihre  Fähigkeit,  auch  im
          zin gewonnen.                      wicklungsmöglichkeiten  eines  Men-  Schwierigen eines Menschen etwas Lie-
          Ihr berufliches Wirken ist zugleich eng   schen durch die Erfahrung einer tragfä-  benswertes zu entdecken, hat viele von
          mit  der  Entwicklung  und  Umsetzung   higen Gruppe.                 uns tief geprägt und berührt.
          gruppenanalytischer Konzepte verbun-  Neben all dem war sie ein zutiefst fami-  Margit  Venner  hat  Brücken  gebaut  –
          den. Sie adaptierte die in der DDR ent-  lienverbundener  Mensch.  Mit  Wärme   zwischen  Menschen,  zwischen  Erfah-
          wickelten gruppentherapeutischen Be-  und  Humor  sprach  sie  oft  von  ihrem   rungen, zwischen inneren und äußeren
          handlungsansätze für Patientinnen und   Ehemann, Professor Harry Venner, der   Welten. Diese Brücken bleiben.
          Patienten mit schweren psychosomati-  leider  viel  zu  früh  verstorben  war.  Sie   In großer Dankbarkeit und Verbunden-
          schen  und  somatischen  Erkrankungen   liebte  ihre  Kinder,  Enkel  und  Urenkel   heit nehmen wir Abschied. Wir werden
          sowie  für  Menschen  mit  Essstörungen   und lebte bis zum Schluss wohlgebor-  sie sehr vermissen.
          und hat hierzu publiziert. In den letzten   gen  im  großen  Familienhaus,  behütet
          klinischen Jahren widmete sie sich ins-  und versorgt von ihrer Tochter und der   Irene Misselwitz, Uwe Wutzler






                                       Mit großer Betroffenheit haben wir vom Tod von

                                            Dr. med. Margit Venner

                                                 1. Juli 1937–10. März 2026

                                                         erfahren.

                     Dr. Margit Venner war als Fachärztin für Psychotherapeutische Medizin bis zum Eintritt in
                 den Ruhestand 2004 als Leiterin der Abteilung für Internistische Psychotherapie am Universitäts-
                  klinikum tätig. Darüber hinaus hat sie sich mit großem Engagement in die ehrenamtliche Arbeit
                     der Landesärztekammer eingebracht und über viele Jahre als Balintgruppenleiterin und
                  Supervisorin für Psychotherapie in den Fortbildungsveranstaltungen der Akademie für ärztliche
                  Fort- und Weiterbildung zahlreichen Kolleginnen und Kollegen die psychosomatische Denkweise
                   in der Medizin nahegebracht. Weiterhin brachte sie ihre Expertise auch in die Lebendspende-
                                          kommission der Landesärztekammer ein.


                       Wir werden ihr ein ehrendes Andenken bewahren! Unser Mitgefühl gilt ihrer Familie.

                                   Im Namen des Vorstandes der Landesärztekammer Thüringen
                                                Dr. Hans-Jörg Bittrich, Präsident






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